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Peter Burnell

28. April 2010,

Peter Burnell ist Gründungsdirektor der internationalen Zeitschrift Democratization

Die wissenschaftliche Sicht auf den Klimawandel und die Verantwortung der Menschheit sind umfassend diskutiert worden. Auch die wirtschaftlichen Aspekte, die Gerechtigkeitsdimension und die Implikationen für die Nord-Süd-Beziehungen wurden nicht nur in der öffentlichen Debatte, sondern auch in der technischen, politischen und akademischen Fachliteratur gründlich ausgeleuchtet. Auch ist davon die Rede, die Gesellschaft, die Armen und sogar der Staat müssten „klimasicher“ gemacht werden. Benötigt werde, so ist bisweilen zu hören, das richtige Rahmenwerk – womit in der Regel Nachbesserungen des Kyoto-Protokolls und einzelstaatliche Vorschriften für den Energieverbrauch gemeint sind.

Was erstaunlicherweise ausbleibt, ist eine ausgewogene Auseinandersetzung mit der Frage, was der Klimawandel für die Demokratisierung bedeutet und was umgekehrt Demokratisierung für die Anpassung an den Klimawandel bedeutet. Mit „Demokratisierung“ sind hier keine theoretischen Modelle von deliberativer, radikalpartizipatorischer oder „Öko“-Demokratie gemeint, sondern die Bewegung hin zu einer freiheitlichen Demokratie, wie es sie in vielen Ländern gibt.

Neben der Erderwärmung, die ihren Weg in die Schlagzeilen gefunden hat, prägt noch ein zweites, diesmal begrüßenswertes Phänomen die jüngste Zeit: eine Demokratisierungswelle, die in den 1970er-Jahren zunächst das südliche Europa, anschließend Lateinamerika, Mittel- und Osteuropa und beträchtliche Teile Afrikas und Asiens erfasst hat. Auffällig ist allerdings, dass sich diese Welle in letzter Zeit fast bis zum Stillstand verlangsamt hat, und, so glauben manche, inzwischen wieder auf dem Rückzug ist.

Klimastabilisierung und Demokratisierung sind beide wichtig, beide sind gefährdet – aber bedingen sie einander?

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